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Lexikon

Bundesrepublik Jugoslawien

[BRJ] Die BRJ wurde im April 1992 nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien [SFRJ] gegründet. Sie bestand aus Serbien [inklusive der Regionen Woiwodina und Kosovo] sowie Montenegro. Die BRJ wurde erst 1996 von den Mitgliedsstaaten der EU anerkannt; andere Staaten, inklusive der USA, erkannten den Staat erst 2000 an. Im Februar 2003 wurde die BRJ aufgelöst, an ihre Stelle trat der neue Staat Serbien und Montenegro [SCG].

Serbien und Montenegro

Karte der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro

Kosovo

Arme Region im Süden Serbiens mit ca. 90% albanischer Bevölkerung [1991]. Seit Gründung der SFRJ hat es unterschiedliche Bestrebungen einer Unabhängigkeit von AlbanerInnen gegeben. Von 1974 bis 1989 hatte Kosovo einen Autonomiestatus innerhalb der SFRJ. Im Kosovo liegt auch das ›Amselfeld‹ [Kosovo Polje], das seit 1989 für Milosevic als Symbol für die serbische Nation fungierte. Nach heftiger Repression und in manchen Gegenden des Kosovo sogar ethnischen Säuberungen gegen AlbanerInnen, bombardierten und besetzten NATO-Truppen [KFOR] 1999 Kosovo, womit sie praktisch die Kosovo Befreiungsarmee [UÇK] unterstützten. In der Folge wurde der Großteil der nicht-albanischen Bevölkerung (SerbInnen, Roma, JüdInnen) mehr oder weniger gezwungen, Kosovo zu verlassen. Kosovo ist noch immer ein internationales Protektorat unter Kontrolle der UNMIK (United Nations Interim Administration Mission in Kosovo), abgesichert durch die KFOR.

Krajina

Region in Kroatien und teilweise Bosnien, die mehrheitlich serbisch bewohnt ist. Von 1941 bis 1944 war die Krajina Teil des kroatischen Staates und die serbische Bevölkerung wurde vielfach Opfer von Verfolgungen. Nachdem Kroatien 1991 seine Unabhängigkeit erklärt hatte, wurde die ›Serbische Republik Krajina‹ ausgerufen. In einer Militäroffensive im August 1995 wurden Hunderttausende von SerbInnen aus der Krajina vertrieben.

Republika Srpska

[Serbische Republik, RS] Politisches Gebilde, dass 1995 nach dem Friedensvertrag von Dayton entstand. Die RS erstreckt sich über 49 Prozent Bosnien-Herzegowinas, die anderen 51 Prozent gehören zur kroatisch-bosnischen Föderation, die wiederum in zehn Kantone unterteilt ist. Es gibt Vereinbarungen über “besondere Beziehungen” zwischen der Republika Srpska und Serbien, wie zum Beispiel die Möglichkeit des Reisens ohne Pass. Radikale serbische NationalistInnen fordern die Vereinigung der beiden Staaten zu einem ›Großserbien‹, was nach dem Daytoner Abkommen verboten ist.

Serbien und Montenegro

[Srbija i Crna Gora – SCG] Nachfolgestaate der Bundesrepublik Jugoslawien [BRJ] seit Februar 2003. Nach langen Verhandlungen zwischen Serbien und Montenegro, das ein größeres politisches Gewicht verlangte als innerhalb der BRJ, konnte eine Vereinbarung zwischen den beiden Staaten nur durch die Vermittlung der EU und insbesondere des Repräsentanten für die Gemeinsame Außenpolitik, Javier Solana, erzielt werden. SCG wird in Serbien vorwiegend als Bundesstaat wahrgenommen, in Montenegro dagegen als Bündnis zweier unabhängiger Staaten. 2006 wird ein Referendum in Montenegro über die Zukunft von SCG entscheiden.

Sozialistische Föderative Republik Jugoslawiens

[SFRJ] – Zweiter jugoslawischer Staat, 1944 gegründet unter der Herrschaft des Bundes des Kommunisten, bis zu seinem Tod 1980 unter der Leitung von Marschall Tito. Die SFRJ, meistens „das ehemalige Jugoslawien“ genannt, bestand aus sechs Republiken: Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und Serbien, inklusive der beiden autonomen Provinzen Kosovo und Metohia sowie Wojwodina. Nach der Verfassung von 1974 verfügte jede Republik über eine eigene Verfassung, einen eigenen Obersten Gerichtshof, ein eigenes Parlament und einen eignen Präsidenten und Ministerpräsidenten. Zwischen 1991 und 1992 erklärten alle Republiken außer Serbien und Montenegro ihre Unabhängigkeit. Am 27. April 1992 erkannten diese beiden Republiken den Zerfall der SFRJ an, indem sie sich selbst zum Nachfolgestaat der SFRJ erklärten, dem sie den Namen Bundesrepublik Jugoslawien [BRJ] gaben.

Wojwodina

Reiche Region im Norden Serbiens mit einer relevanten ungarischen Minderheit. Von 1974 bis 1990 war die Wojwodina eine autonome Provinz innerhalb Serbiens mit starken Rechten innerhalb der SFRJ, ebenso wie das Kosovo.