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Otpor

Otpor ist nicht zu übersehen, wenn man durch Kragujevac läuft. An Wänden von offiziellen Gebäuden, von Wohnhäusern oder einfach auf Mülltonnen sehen wir immer wieder den mal lateinischen, mal kyrillischen Schriftzug, meist mit einem Ausrufezeichen versehen. Otpor!, Widerstand! signalisierten so zunächst Gruppen von StudentInnen. Widerstand gegen das korrupte System von Slobodan Milosevic, Kampf für die Demokratie.

Bis zum 5. Oktober 2000 erfasste die Bewegung das ganze Land. Eine Million Menschen demonstrierten in Belgrad, belagerten den Regierungssitz und erreichten mit ihrem Protest, daß Milosevic das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen anerkannte und zurücktrat.

Milosevic geht - endgültig

Milosevic geht - endgültig

1 1/2 Jahre später laufen wir durch Kragujevac, gespannt mehr über die Entwicklungen in Serbien zu erfahren. Wir sprechen viel mit Pedja und Milena, unseren Gastgebern, und ihren FreundInnen, die alle zu Otpor gehörten. Häufig zeigt sich, wie wenig wir uns das Leben unter Milosevics Regime vorstellen können. In einem Gespräch mit dem Sprecher der Student Association bringen wir ihn mit der Frage nach der Ideologie des Systems zum Lachen: “ There was no ideologie, just money!”- es gab keinerlei Ideologie, nur Geld! Das System Milosevic sei gleichbedeutend mit extremer Korruption gewesen. Korruption, Kriegsführung, keine Sicherheit für RegimekritikerInnen vor Verfolgung, ein völlig geschlossenes Europa- viele Gründe bewegten zunehmend mehr Menschen, gegen Milosevic, für die Demokratie zu kämpfen.
Schon 1996 gab es studentische Proteste, als Milosevic die Ergebnisse der Regionalwahlen nicht anerkennen wollte. 88 Tage lang wurde in ganz Serbien demonstriert, bis Milosevic nachgeben mußte.

1998 tauchten in Belgrad die ersten “ Fäuste” auf , erzählt Milena. Die geballte Faust, das Symbol von Otpor, wurde vor allem an Gebäude gesprayt, die das Milosevic- Regime repräsentierten.

Otpor entwickelte sich zu einer landesweiten Studierendenbewegung, die mit kreativen Aktionen an die Öffentlichkeit ging, um Mißstände aufzuzeigen.

Am 25. 3. 1999 begann das NATO-Bombardement auf Serbien um Milosevic dazu zu zwingen, die ethnischen Vertreibungen im Kosovo zu stoppen.
Mit den Bombardierungen kam die Arbeit von Otpor zum Stillstand. Es war so gut wie unmöglich, etwas gegen Milosevic zu sagen. Die Bevölkerung fühlte sich als Opfer der Aggression von außen und scharrte sich solidarisch um ihren Präsidenten:
Pedja ist sich sicher, die Bombadierungen haben Milosevic gestärkt und den demokratischen Umbruch um mindestens ein Jahr verzögert.
Ab August 1999 wurde Otpor immer stärker zu einer Bewegung für alle. Allein in Kragujevac gab es mehrere Otpor-Büros. Wöchentlich wurden Veranstaltungen und Performances organisiert, die jeweils von 2000 bis 3000 ZuschauerInnen besucht wurden. Milena erzählt von Menschen, die zum Otpor-Büro kamen, um Kaffee vorbeizubringen und ihnen zu sagen, daß sie für eine gute Sachen känpften.

Während dieser Zeit wurden diejenigen, die im Widerstand aktiv waren, immer wieder verhaftet. Die Gruppe um Milena und Pedja wurde bis zu vier Stunden lang auf der Polizeiwache festgehalten; es wurden Fingerabdrücke genommen sie wurden immer wieder verhört und fotografiert und behandelt wie Verbrecher. In Städten, die nicht wie Kragujevac von der Opposition regiert wurden, waren die Repressionen allerdings ungleich härter: Pedja berichtet von AktivistInnen, die mehrmals brutal von der Polizei zusammengeschlagen wurden. Momentan werden deswegen noch mehrere Prozesse geführt.

Otpor existiert immer noch als legale und akzeptierte Nichtregierungsorganisation, hat sich allerdings zersplittert und ist aus den Medien so gut wie verschwunden. Momentan ist noch in der Diskussion, ob Otpor sich als Partei organisieren will.

Claudia